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#21 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von silli 15.04.2012 18:13

Hey Bille,

wir machen auf dem Hundeplatz auch ständig diese "leise"-Übungen. Kommandos ohne Sprache! Faszinierend, wie gut die Hunde hören, ohne das auch nur ein Wort unsere Lippen verläßt. Und eins ist klar: es fällt dem Menschen schwer und nicht dem Hund!

Bin auch mal gespannt, was mit Tipo geschieht. Er ist ja auch "auf und davon", wenn Frauchen nicht aufpaßt.

In diesem Sinne freue ich mich aufs Üben und berichten.

Einen schönen Sonntag noch an alle!

#22 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von erdnuckel 17.04.2012 07:44

Guten Morgen an alle,

ich bin begeistert wie engagiert Ihr alle seid! Klasse

Ich möchte nochmal etwas zu dem Unterschied zwischen klassischem Kommando und mentaler Führung sagen; das gerät hier durcheinander.

Klassische Kommandos wie wir verwenden, ob nun gesprochene Worte, geflüsterte oder Handzeichen sind konditionierte Kommandos, die der Hund gelernt hat. Wir Menschen haben eine bestimmte Handlung des Hundes mit einem Wort "belegt" und der Hund führt (oder sollte das zumindest).
Mentale Führung ist etwas anderes; da geht es um dynamische situative Reaktionen des Hundes, die sich ausnahmslos an dem Menschen orientieren. Bei der mentalen Führung verwendet man keine Kommandos im klassischen Sinne, der Hund reagiert sozusagen aus der Situation heraus.

Zwei Beispiele um den Unterschied klarer zu machen:


Hund und Mensch laufen auf einem Feldweg, ein zweiter Weg kreuzt und ein Radfahrer kommt entgegen.

Dominante Führung/ klassische Kommandos:

Der und bekommt gesagt, dass er stehen bleiben soll, sich hinlegen soll oder warten soll und tut das

Mentale Führung:

Der Hund bemerkt dass ich stehen bleibe und tut dies ebenfalls um zu sehen warum ich stehen bleibe. Nach einem kurzen Moment nähert sich der Hund mir, es muss ja einen Grund geben warum ich so lange stehen bleibe.

Zweites Beispiel:

Hund und Mensch laufen an der Leine, ein zweiter Hund nähert sich uns, der eigene Hund wird unruhig und beginnt zu brummen/ leise knurren.

Dominante Führung/ klassische Kommandos:

Wir verkürzen die Leine, sagen dem Hund er soll sich setzen oder legen und warten. Der Hund vor/ neben/ schräg hinter uns.


Mentale Führung:

Der Hund bemerkt den entgegen kommenden Hund, bemerkt das wir stehen bleiben und stellt sich genau hinter uns. Er überläßt uns die Sicherung und sucht Schutz hinter uns. Das tut er von alleine.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Arten einen Hund zu führen ist dass bei der mentalen Führung nicht direkt auf den Hund eingewirkt wird, der Hund macht die Lernerfahrung, dass es lohnend und hilfreich ist, sich an mir zu orientieren und im Zweifel mir den Vortritt zu lassen.

Auch ich verwende klassische Kommandos, die erleichtern die Kommunikation zwischen meinem Hund und mir enorm. Das größte Gewicht jedoch lege ich auf die mentale Führung. Die Hunde lernen sich an meiner Entscheidung Flucht/ Angriff oder neutrales Verhalten zu orientieren und lernen, dass es nicht lohnenswert ist, diese Entscheidung zu hinterfragen. Beschließe ich, dass ein fremde Hund ignoriert wird und laufe einfach an ihm vorbei lernen meine Hund das ebenfalls zu tun. Brummen sie den Fremden an, stellen sie meine Entscheidung in Frage und müssen mit einem Rüffler meinerseits rechnen. Meist reicht ein energischer Schritt auf den Hund zu um ihn daran zu erinnern, dass meine Entscheidung gültig ist.

Hunde werden seit Menschengedenken klassisch konditioniert und das ist gut, denn damit die Kommunikation zwischen zwei so unterschiedlichen Spezien klappt sind "Schlüsselwörter" (Kommandos) sehr hilfreich. Wichtig finde ich persönlich aber dass meine Hund meine Entscheidungen akzeptieren und einhalten. Ich beschließe wir jage das Reh auf der Wiese nicht...meine Hunde dürfen das Reh anschauen und sich denken wie blöd ich doch bin, sie dürfen aber nicht probehalber los laufen. Damit würden sie meine Entscheidung jetzt nicht zu jagen in Fragen stellen und meinen Rang unterlaufen...Meuterei! Darauf kann ich nur in zwei Arten reagieren; Ausschluss vom Rudel (Ich bin der Chef, wer meutert geht!) oder aber mit Flucht...ich will nicht jagen, ich bin der Boss und ihr folgt mir gefälligst!

Monicas Beschreibungen mit der Schleppleine sind völlig richtig. Auch die Beschreibungen von leisen Kommandos sind richtig, es sind aber klassische konditionierte Kommandos. Das ist nicht schlecht, e ist ein weiter Weg dahin...aber es sagt (leider) nichts über den Rang und damit die mentale Überlegenheit des Hundehalters aus.

Nette Grüße Bille

#23 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von Mel13 17.04.2012 11:11

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@erdnuckel
Also habe ich bei Pepe die Chance und Herausforderung zugleich, ihn ohne "grosse" Worte ins Rudel einzugliedern und mich als Rudelfuehrerin zu präsentieren. Er kommt neu zu uns, hat sein altes Tierheimrudel verloren und sucht nun Orientierung und Anschluss an unser Rudel. Also erstmal gar nicht den Schwerpunkt auf "Sitz, Platz, etc." legen sondern auf die Fuehrung ohne Worte und Bindung. Ich muss mich interessant machen, voraus denken und lernen seine Signale zu deuten. Ist das spannend!

#24 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von erdnuckel 17.04.2012 14:06

Hallo

ich zitiere Mel mal:

"...sondern auf die Fuehrung ohne Worte und Bindung..."

Großes Missverständnis!!!

Führen ohne menschliche Worte ja....aber das hilft eine Bindung auzubauen! Führen ohne Bindung geht nicht.....so blöd kann ein Hund gar nicht sein, einem Menschen hinterher zu laufen ohne Aussicht auf Erfolge...und wenn erauf etwas Fressbares hofft wie tausende Straßenhudne es tun. Aber kein Hund rennt aus Langeweile einem Menschen hinterher.

Ansonsten gebe ich Dir recht, es ist spannend zu sehen wie sich ein Hund auf das Wesentliche konzetriert wenn unser "Gequatsche" fehlt.
Nette Grüße Bille

#25 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von Mel13 17.04.2012 15:46

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Sorry, da habe ich mich verschrieben bzw. unverständlich ausgedrückt. Klar braucht man eine Bindung aber kein grosses Gequatsche. Ich glaube, ich habe das aber verstanden. Soweit die Theorie. Die Umsetzung in die Praxis ist bestimmt schwieriger. Wir werden sehen....

#26 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von Silke 18.04.2012 17:09

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@ Bille

Wie mache ich das geschickter Weise bei mehreren Hunden? Als ich nur Pepper hatte, waren stundenlange Spaziergänge ohne ein Wort möglich, ich blieb stehen, sie blieb stehen, ich fand den Hund ok, sie auch. Mit Anakin wurde es dann schon mehr Gequatsche, und er war ja auch so ängstlich und hat uns Menschen so gar nicht vertraut. Und nun mit April noch dabei erwische ich mich bei regelrechten Kommando-Arien. Obwohl ich weiss, dass das blöd ist, aber ich hab mich da oft selbst nicht mehr im Griff...

Aber immerhin die Tage tapfer ein Gassi lang den Mund gehalten und versucht, dies auch bei Fremdhundekontakt durchzuhalten. Gar nicht einfach, bei einer solchen Gibftspritze, wie April es im Moment ist... Aber es hat funktioniert. In Gebieten, wo ich viel auf andere Hunde treffe oder Gefahren wie Autos etc dabei sind, würde ich mich das nur einfach nicht trauen...

Bin für Tips dankbar!

Silke

#27 RE: Lernen - junger Hund/ alter Hund von Viva 03.05.2012 05:08

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Hallo Bille,
bin eben erst auf deinen Beitrag gestroßen und ich freue mich wie gut du es erklärst und anbietest es auch noch 1000 mal erklären magst.
Dürfte ich mir was wünschen, würd ich die Zeit zurück drehen und von Anfang an ruhiger und bestimmter sein.
Hat vielleicht auch was mit der heutigen Lebenssituation und Eefahrung zu tun. ( bin nicht mehr berufstätig und deutlich ruhiger geworden )
Vor fünf Jahren hab ich Sparky als Welpe, 9 Wochen bekommen.
Hundeschule besucht, aber war viel zu nervös, was sich nach meinem heutigen Wissen nartürlich auf den Hund übertrug.
Hätte mir viel nervenzerreisende Zeit sparen können wenn ich das alles ruhiger angegangen wäre.
Viva (auch mit 9 Wochen bekommen)ist ein sehr ängstlicher Hund gewesen, hat sich schon gebessert, aber es gibt da noch einige Baustellen.
Wir arbeiten aber dran.
Mit Copa (bekamm sie mit einem Jahr)hatte ich Glück, sie hat wahrscheinlich früher schon eine Erziehung genossen.
Sie orientiert sich zwar oft an mir und dem Rudel, aber da muss auch eindeutig noch Arbeit geleistet werden.
Vor allem wenn es Richtung Wasser geht macht die Gehirnklappe zu. Buddeln ist angesagt und es ist gefährlich, da sie nicht schwimmen kann.
Schlagt mich bitte nicht, bei ihr lehne ich Schleppleine ab, da ihr der rechte Vorderlauf fehlt.
Vielleicht hast du einen Tip für mich, was ich da tun kann.

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